KOLLEGEN von DAIMLER INFORMIEREN

Nachrichten & Meinungen, parteilich auf Seite der Kolleginnen und Kollegen, parteipolitisch unabhängig! Geschrieben, hergestellt und verteilt von Kolleginnen und Kollegen des Bremer Mercedes Werkes.

Nachrichten

 

19.06.2012 

Fremdvergabe:

Scheibchenweise  – die Scheiben werden dicker!

 So langsam merkt der Letzte, was der ehemalige Werkleiter Schabert, kurz vor seinem Wechsel zu neuen Herausforderungen als Werkleiter in Untertürkheim auf der Betriebsversammlung meinte,  als er mitteilte er habe beauftragt, dass auch in den indirekten Bereichen KVP betrieben wird und alle Tätigkeiten auf den Prüfstand wären.

Sein Nachfolger hatte diesen Auftrag nicht nur bestätigt, sondern mit Nachdruck erneuert. Anfang diesen Monats zogen, vom Meistern bis zum Centerleiter, alle Führungskräfte der Logistik zur vormaligen Wirkungsstätte unsers ehemaligen Werkleiters nach Berlin zu einem Workshop, um zu sehen wie das Geschäft der Logistik effektiver (effizienter) zu betreiben ist. Das makabere:  Im Werk Berlin ist die Logistik seit Jahren fremd vergeben!

Zurück in Bremen hatten die Führungskräfte als erstes den Auftrag ein sogenanntes „WIR-Gespräch“ abzuhalten, in dem auch eine Kernaussage an die lieben Mitarbeiter rübergebracht werden sollte, die da lautete:   Die Entwicklung der letzten Jahre (Fremdvergabe von Arbeiten an sogenannte „Externe Dienstleister“ (EDL) werde weiter gehen,  Aufgabe der Führungskräfte sei es für jeden Mitarbeiter einen, dem ausgeübten Eignungsprofil entsprechenden Arbeitsplatz in der Daimler AG zu finden.

Nachdem dieses „WIR-Gespräch“ abgehalten wurde, wunderten sich Center- und Abteilungsleiter der Logistik tatsächlich, dass ihre lieben Mitarbeiter damit begannen Unterschriften zu sammeln,  mit denen der Centerleiter aufgefordert wird, die Finger von der Logistik und jeden Arbeitsplatz im Werk zulassen.  Die Verwunderung der Leiter  ging so weit, dass sie der Überzeugung waren die Unruhe ihrer Mitarbeiter käme von Betriebsräten, die über noch gar nicht beschlossene Überlegungen informiert haben müssten.

Die schlichte Wahrheit ist allerdings, dass Betriebsräte seit Monaten fordern mal endlich umfassend über Planungsüberlegungen zu Fremdvergaben von Logistik- und anderen indirekten Arbeiten informiert zu werden. Bisher kursierten immer erst Gerüchte in den Hallen, die dann nach zähem Nachfragen, wenn es nicht mehr zu verheimlichen war bestätigt wurden. Den Kollegen blieb es im Frühjahr auch nicht verborgen, dass Reihenweise Menschen von fremden Logistikunternehmen durch die Werkshallen geführt wurden.

Die geforderte Information des Betriebsrates soll nun am 5.7. erfolgen  und bis dahin soll von der Werkleitung auch keine weitere Entscheidung über eine Fremdvergabe beschlossen werden.  Drei Dinge stehen für uns heute schon fest:

Die Befürchtungen über das Ausmaß der beabsichtigten Fremdvergaben sind mehr als berechtigt und werden höchstwahrscheinlich vom Werkleiter noch weit übertroffen.

Die legalen Mittel eines BR-Gremiums werden nicht ausreichen, die Fremdvergaben zu verhindern.

Unterschriftensammlungen drücken den Unmut der Belegschaft aus, sind daher für die Werk- und Centerleiter wahrscheinlich lästig, werden  die Herrschaften aber nicht dazu bewegen, von ihrem Vorhaben abzulassen.

 

Fremdvergabe Funkschneise Rohbau SLK

Die Instandhaltung sowie Anlagenwartstätigkeiten des Rohbaues in der Funkschneise wurden 2010 fremd vergeben, mit der Begründung  man habe nicht genügend eigens qualifiziertes Personal, um diese Aufgaben zu bewältigen. 2013 sollten die Arbeiten wieder mit eigenem Personal erledigt werden.

Jetzt, nach intensivem Nachfragen und –bohren des Betriebsrates wurde ihm am 24.5. erklärt: Man habe Anlagenführer und Instandhaltungsumfänge bis 31.12.2013 fremd vergeben, eine Ausschreibung der weiteren  Umfänge habe  stattgefunden und wenn dazu Ergebnisse vorliegen, werde der BR weitere Informationen erhalten. 

 

Fremdvergabe: Keine Beruhigung

„Einsatz EDL (Externe Dienstleister): die Entwicklung der letzten Jahre wird weitergehen, aber wir Führungskräfte kümmern uns darum, dass jeder Mitarbeiter nach seinem Einsatzprofil einen Arbeitsplatz bei der Daimler AG bekommt.“

Diese Aussage im WIR-Gespräch der Logistik am 4.6.2012  ist genauso wenig ein Grund zur Beruhigung wie die Aussagen des Werkleiters Kellermann zu Kollegen, keiner brauche um seinen Arbeitsplatz fürchten, jeder werde gebraucht,  als es um die Auswirkungen von KVP und  HPV 30 ging.

Zur Verdeutlichung: Wir unterstellen nicht, dass Werk – und der Centerleiter der Logistik nicht meinen würden, was sie gesagt haben. Tatsächlich wird – auch wenn die Fremdvergaben durchgezogen werden sollten  - jeder gebraucht werden, schließlich wird bei den geplanten Stückzahlen (und wenn der Absatz denn so bleibt) an allen Ecken und Kanten das notwendige Personal fehlen. So wie es heute schon fehlt und so, wie es nun schon seit wenigstens 3 Jahren fehlt!

Aber: Die Fremdvergabe von indirekten Tätigkeiten ist kein Beitrag für Kollegen mit Einsatzeinschränkungen einen geeigneten Arbeitsplatz zu finden, ist kein Beitrag die Belastungen an den vorhandenen Arbeitsplätzen (ob nun in der Produktion oder im indirekten Bereich) zu minimieren. Die Fremdvergabe ist ein Beitrag die Leistungsschraube für jeden noch weiter anzuziehen – deshalb geht sie jeden an und deshalb muss die Fremdvergabe gestoppt werden.

 

 

  • 09.06.2012 

    Massiver Versuch das Recht auf freie Meinungsäußerung einzuschränken.

    Am 7.6. hatten  Werkschutzkollegen offenbar den Auftrag  die Verteiler des Kollegeninfos beim Verteilen zu behindern und von den Werkstoren zu vertreiben!

    Mit der Begründung auch vor dem Werkstor sei Werksgelände und das Verteilen von diesen Flugblättern sei von Unternehmen nicht erwünscht und genehmigt  wurden wir aufgefordert die Verteilung einzustellen oder die Infos auf öffentlichem Gelände vor den Parkplätzen zu verteilen.  Gedroht wurde auch, man werde die Polizei holen, um uns entfernen zu lassen, sollten wir dieser Aufforderung nicht nachkommen!

    Nun die Polizei wurde wohl doch nicht gerufen, obwohl wir dieser Aufforderung nicht nachkamen – genervt und beim Verteilen behindert hatte uns diese Aktion der Geschäftsleitung trotzdem, schließlich haben wir beim Verteilen genug zutun jedem der will ein Kollegeninfo in die Hand zu drücken, da stören natürlich solche Diskussionen mit Kollegen vom Werkschutz, die ja nichts für solche Aufträge können.

    Es ist schon kurios:

    Seit 35 Jahren werden von uns  Kollegeninfos verteilt.  517 Ausgaben des Kollegeninfos waren von den Werkleitungen sicher nicht erwünscht und auch nicht genehmigt – wurden von uns aber vor dem Werkstor verteilt, höchstens beeinträchtigt von widrigen Wetterverhältnissen.  Und auf einmal wird versucht das Verteilen zu unterbinden.

    Seit mehr als 40 Jahren werden an den Werkstoren Blätter verteilt, von den unterschiedlichsten Gruppierungen und Parteien, selbst Werbung für Kochtöpfe und Mobilfunkanbieter wurde schon verteilt und blieben unseres Wissens immer unbehelligt plötzlich versucht die Werkleitung das Verteilen vor dem Werkstor zu verbieten.  Der Versuch das Recht auf eine freie Meinungsäußerung einzuschränken traf nicht nur uns sondern galt auch schon anderen Blättern. Seit etwa 5 Wochen blieben lediglich die PROFIL und die Kopfstütze  bislang
    (n o c h  ?? !!)  von diesen Attacken verschont.

     Was hat sich geändert, dass plötzlich versucht wird  das Recht auf freie Meinungsäußerung einzuschränken?

    Nicht geändert hat sich die Tatsache, dass die Parkplätze für die lieben Mitarbeiter vor dem Werkszaun liegen.  Das  Unternehmen verlegt ganz bewußt den Werkszaun nicht an die öffentliche Straße (zäunt die Parkplätze also nicht ein und legt sie sich nicht ins Werksgelände), um nicht für eventuelle entstehende Schäden an den geparkten Fahrzeugen aufkommen zu müssen.

    Aber um das Verteilen von nicht genehmen Meinungsäußerungen behindern zu können,  wird plötzlich das Hoheitsgebiet vor den Werkszaun gelegt und beansprucht und sogar die Gefährdung des sicheren Anfahrweges  für die lieben Mitarbeiter in Kauf genommen und sogar verlangt.

    In ganz Europa ist die Einschränkung von Demokratie und demokratischen Rechten feststellbar,  die aktuellen Versuche das Verteilen vor dem Werkstor zu unterbinden dort einzuordnen ist wahrscheinlich etwas weit hergeholt – es ist für uns aber der Versuch das Recht auf freie Meinungsäußerung einzuschränken und ein Indiz dafür, dass sich in der Geschäftsleitung die Mentalität des „Und der Herr im Haus bin ich –Standpunktes“ breit macht.

    Übrigens ist dies wiederum  so neu nicht:

    Das Verteilen des Kollegeninfos vor dem Werkstor wurde zwar bei 517 Ausgaben des Kollegeninfos vom Unternehmer nicht behindert. Aber vor 31 Jahren meinte auch so ein  „Der Herr im Haus bin ich“  er könne das Verteilen unserer Blätter verbieten – damals ging es um das Verteilen hinter dem Werkszaun vor der Betriebsratswahl. Dieses Recht mußten wir zunächst am 24.3.81 mit dem Erwirken einer einstweiligen Verfügung durchsetzen.  Zur gleichen Sache gab uns dann am 15.12.82 die 2. Kammer des Landesarbeitsgerichtes  in einer Grundsatzentscheidung recht!   Zu dem Standpunkt der damaligen Werk- und Personalleitung, wir hätten  vor dem Verteilen unserer Standpunkte auf dem Werksgelände unser Blatt der Werkleitung vorlegen und um Genehmigung bitten müssen berichtete der Weser Kurier am 16.12.82 der Richter habe süffisant  festgestellt:  „ Da muß  man schon ein wahres Auslegungsgenie sein.“

    Wir haben uns damals nicht unser Recht auf freie Meinungsäußerung nehmen oder auch nur verbiegen lassen und dazu sind wir auch 31 Jahre später nicht bereit!